Zertifizierungen und Audits: mehr als nur ein Häkchen auf der Checkliste
Audits und Zertifizierungen spielen bereits seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle in der Wirtschaft. ISO 9001 wurde erstmals 1987 veröffentlicht. Seitdem hat sich die Normenlandschaft erweitert: Organisationen werden nicht nur hinsichtlich der Qualität bewertet, sondern auch in Bezug auf Themen wie Umwelt, Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeit, Ethik und soziale Verantwortung von Unternehmen.
Diese Entwicklung bietet Chancen, wirft aber auch Fragen auf. Werden Normen nicht immer komplexer? Verlieren wir dabei manchmal den ursprünglichen Zweck aus den Augen? Und wie können Organisationen Zertifizierungen als praktisches Hilfsmittel statt als reine Pflichtübung einsetzen?
Vom Qualitätsmanagement hin zu Nachhaltigkeit und Ethik
ISO 9001 wurde ursprünglich entwickelt, um Organisationen dabei zu unterstützen, ihre Prozesse zu steuern und die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen zu verbessern. Die Norm wurde mehrfach überarbeitet. Die aktuelle, sechste Ausgabe, ISO 9001:2026, wurde am 16. September 2026 veröffentlicht.
Inzwischen sind zahlreiche weitere Normen hinzugekommen. Dazu gehören beispielsweise:
- ISO 14001 für das Umweltmanagement;
- ISO 45001 für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz;
- verschiedene Nachhaltigkeits- und Ethiknormen wie SMETA und EcoVadis.
Diese Erweiterung erfordert von internen wie auch externen Auditoren immer mehr Fachwissen. Während ein Auditor früher vor allem Verfahren und Qualitätssicherung im Blick hatte, muss er heutzutage häufig auch über Kenntnisse in den Bereichen Umweltrecht, Arbeitsbedingungen, Sorgfaltspflicht, Menschenrechte und Nachhaltigkeitsfragen verfügen.
Bei Zertifizierungsaudits wird geprüft, ob eine Organisation die Anforderungen der Norm erfüllt. Der Auditbericht kann Feststellungen und Verbesserungsvorschläge enthalten, doch das Zertifikat selbst enthält keine Bewertung und gibt keinen Aufschluss darüber, inwieweit eine Organisation die Anforderungen der Norm übertrifft.
Der Bedarf an mehr als nur einem Zertifikat
Immer mehr Organisationen suchen daher nach Bewertungsmethoden, die einen besseren Einblick in die tatsächlichen Leistungen bieten.
Ein Zertifikat belegt zwar, dass ein Managementsystem vorab festgelegte Anforderungen erfüllt, sagt jedoch oft wenig darüber aus, wie eine Organisation im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen derselben Branche abschneidet.
Genau hier entsteht der Bedarf an Benchmarking und Leistungsvergleichen.
EcoVadis: Bewerten statt prüfen
EcoVadis bewertet das Nachhaltigkeitsmanagement auf der Grundlage der von einem Unternehmen vorgelegten Informationen. Der Fragebogen und die Kriterien sind unter anderem auf die Tätigkeit, die Größe und den Standort des Unternehmens abgestimmt. Fachkundige Analysten wenden standardisierte Bewertungsrichtlinien an.
Die Scorecard zeigt, wie das Nachhaltigkeitsmanagement bewertet wurde und wie die Organisation im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen derselben Branche abschneidet. EcoVadis-Scorecards sind zwölf Monate lang gültig. Eine aktuelle Scorecard vermittelt daher ein aktuelleres Bild.
SMETA: Der Schwerpunkt liegt auf Transparenz
SMETA-Audits finden vor Ort statt. Jedes Audit befasst sich mit Arbeitsnormen sowie Gesundheit und Sicherheit. Ein Vier-Säulen-Audit bewertet darüber hinaus Umweltaspekte und Unternehmensethik. Vertrauliche Gespräche mit Mitarbeitern tragen dazu bei, einen Einblick in die tägliche Praxis zu gewinnen.
SMETA ist keine Zertifizierung und sieht keine Bewertung nach „bestanden“ oder „nicht bestanden“ vor. Der Bericht enthält Feststellungen und einen Plan für Korrekturmaßnahmen. Die Organisation ist für die Umsetzung verantwortlich. Sedex-Mitglieder können den Bericht über die Plattform an Kunden und andere Geschäftspartner weiterleiten.
Chancen und Risiken der sich wandelnden Prüfungslandschaft
Die Ausweitung von Zertifizierungen und Audits bietet klare Vorteile:
- stärkere Fokussierung auf Nachhaltigkeit und sozial verantwortliches Unternehmertum;
- bessere Risikokontrolle;
- mehr Transparenz in internationalen Lieferketten;
- objektivere Vergleiche zwischen Organisationen.
Gleichzeitig gibt es jedoch auch einige Punkte, die zu beachten sind:
- Normen werden immer umfangreicher und komplexer;
- spezialisierte Auditoren sind schwerer zu finden;
- Zertifizierungen können zu einer rein administrativen Verpflichtung verkommen;
- das ursprüngliche Ziel der kontinuierlichen Verbesserung kann durch die Konzentration auf die Einhaltung von Vorschriften in den Hintergrund geraten.
Ein Zertifikat darf daher niemals zum Selbstzweck werden. Der größte Nutzen entsteht dann, wenn Organisationen die Ergebnisse tatsächlich nutzen, um Prozesse, Leistungen und das Risikomanagement zu verbessern.
Bei SCAVES werden unter anderem interne Audits und Abweichungen mithilfe von LeanForms digital verwaltet. Dadurch können Auditoren Unterlagen leichter auffinden und sich während des Audits stärker auf Verbesserungen konzentrieren. Lesen Sie den Praxisbericht.
Die Zukunft der Zertifizierungen
Nicht jede Zertifizierung ist gleich. Einige Systeme konzentrieren sich in erster Linie auf die nachweisbare Einhaltung einer Norm, während andere hingegen Einblicke in die Leistung, Transparenz oder das Benchmarking bieten.
Für Organisationen wird es daher immer wichtiger, im Vorfeld klar zu definieren, was sie erreichen möchten. Ist das Ziel, das Vertrauen der Kunden zu stärken, Risiken zu kontrollieren, Anforderungen der Lieferkette zu erfüllen, Leistungen zu vergleichen oder vielmehr Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren?
Wer diese Frage zuerst beantwortet, wählt nicht nur die richtige Zertifizierung aus, sondern zieht auch tatsächlich Nutzen aus dem Auditprozess. Letztendlich geht es nicht um das Zertifikat an der Wand, sondern um die Erkenntnisse, die zu einem besseren, nachhaltigeren und zukunftsfähigen Unternehmen beitragen.
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